Spaetes-Happy-End-einer-Sammelaktion

von am 2. Januar 2016

Bericht Kreiszeitung vom 23.12.2015 VON TIMO SCHMIDT

HOLZGERLINGEN. Was ist das Schlimmste, was mit Spenden passieren kann? Dass sie nicht beim Empfänger ankomme. Und genau das ist mit Sachspenden passiert, die letzte Jahr in Holzgerlingen gesammelt wurden. Eigentlich hätten die Kisten voller Spielsachen, Kuscheltiere und Bekleidung für Kinder schon im Oktober letzten Jahres auf den Philippinen ankommen sollen. Doch es gab jede Menge Probleme, die den Versand wieder und wieder verzögerten. Vergangenen Donnerstag war es aber endlich soweit.

Es ist eine lange Geschichte. Nach einem schweren Erdbeben auf den Philippinen im Jahr 2013 sammelten einige Holzgerlinger fleißig Spenden, um den Menschen helfen zu können. Seit September vergangenen Jahres stapeln sich deshalb in einer Garage in Holzgerlingen, Turmstraße 14, neben dem Polizeiposten, Kisten bis unter die Decke. Sie sind voller Spielsachen, Kuscheltiere und Kleidung für Kinder zwischen zwei und 16 Jahren. An ihrem Zielort angekommen sind sie aber immer noch nicht.

Wenn alles nach Plan verlaufen wäre, dann hätten die 38 Kisten mit Hilfsmitteln im Oktober 2014 auf der Insel Bohol ankommen sollen. Dazu kam es aber bis jetzt noch nicht, das liegt an mehreren Faktoren. Angefangen hatte alles letztes Jahr im September: Die Holzgerlingerin Ute Nordmann hatte eine Spendenaktion organisiert, um möglichst viele Sachspenden, gerade für Kinder, zusammenzutragen und damit den Wiederaufbau auf den Philippinen zu unterstützen. Sie hatte sich anrühren lassen von einer Hilfsaktion, die Gerhard Gauss auf die Beine gestellt hat. Gerhard Gauss wiederum ist ein ehemaliger Daimler-Arbeitskollege ihres Mannes und seit sechs Jahren Wahl-Philippino. Er betreibt auf der Insel Panglao, einer Nachbarinsel von Bohol, eine Tauchschule und wohnt dort auch mit Frau und Kindern. Er bekamt die Umweltkatastrophe am eigenem Leibe mit. Deshalb wollte er unbedingt helfen und wandte sich dabei an die Menschen in seiner alten Heimat.

Der gebürtige Beihinger konnte so im Raum Nagold über 40000 Euro an Spendengeldern sammeln, bei dem Wiederaufbau einer Schule helfen und sogar eine Operation finanzieren für ein Mädchen mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Zusammen mit seinen Mitarbeitern leistete er beim Organisieren und Verteilen von Nahrung und Wasser quasi erste Hilfe. Was aber fehlte waren Kleidung und andere Dinge für die Kinder.

Ute Nordmann, stellvertretende Fußball-Abteilungsleiterin bei der Sportvereinigung legte sich also ins Zeug, ließ ihrem Organisationstalent freien Lauf und rief nach der Kontaktaufnahme mit Gerhard Gauss via Facebookseite eine Sammelaktion ins Leben. Sie bat die KREISZEITUNG, auch für die Sache zu trommeln und so beteiligten sich an zwei Wochenenden jede Menge Holzgerlinger und hilfsbereite Menschen aus der Umgebung daran. Die Spvgg Holzgerlingen spendete zwei Sätze Trikots und einige Fußbälle.

Die Spendenkisten gehen am25. Dezember auf den Seeweg

Dann fingen die Probleme an. Anfangs ging Ute Nordmann davon aus, dass wie mit Gerhard Gauss vereinbart Helfer in Nagold sich um die den Versand der riesigen Berge von Kleidern und Spielsachen kümmern würden. Doch die konnten nur einige Verpackungskisten bereitstellen. Und die überuqllende Garage – übrigens von der Stadt Holzgerlingen kostenlos zur Verfügung gestellt – blieb so voll wie sie war.

Den Transport nach Bohol wollte ursprünglich Gerhard Gauss aus Spendenmitteln bezahlen. Doch die Aufbaumaßnahmen und zuletzt die Operation schluckten wohl mehr als erwartet. Monate gingen ins Land und nach einer schweren Flut bei den Philippinen konnte er die Kosten auch nicht mehr selbst übernehmen, denn zwei Schiffe seiner Tauchschule wurden zerstört worden und es fehlte an finanziellen Mitteln.

Die Kleidung zum Beispiel nach Rumänien zu spenden, das wollte Ute Nordmann nicht. Schließlich stecken hinter dem Wünschen der vielen Spenderinnen und Spender die Gefühle für die philippinischen Kinder. Aber länger auf Zeit zu spielen ging auch nicht. Sie fragte schließlich ihre Schwester Doris Wagner-Prica, da sie und ihr Mann Dusan Prica zusammen in Böblingen die Firma „Dachtechnik GmbH“ betreiben und jedes Jahr in der Weihnachtszeit ein soziales Projekt unterstützen. Nach ein bisschen Überzeugungsarbeit war es soweit, für das Projekt spendete ihre Schwester 2500 Euro.

Jetzt blieb „bloß“ noch das große Einpacken. Noch einmal ein Großkampftag für Ute Nordmann. Am Ende waren es 38 Balikbayan-Boxen à 173 Liter Volumen, die randvoll wurden mit den Kindersachen. Einschließlich der entlüfteten Fußbälle. Endlich, am vergangenen Donnerstag wurden die Pappkartonkisten abgeholt, etwa 14 Monate später als gedacht. Am 25. Dezember wird das Schiff, das die Kisten transportiert, in See stechen und voraussichtlich Mitte Februar die Insel Panglao erreichen, wo Gerhard Gauss sie entgegennehmen wird, um die Spenden auf der Nachbarinsel Bohol zu verteilen.

Der Großteil der gesammelten Sachen wird damit den Kindern auf den Philippinen zugute kommen. Ein kleiner Rest ist noch übrig und soll im Januar an Flüchtlinge verteilt werden.Philippinenaktion 2015

Doris & Dusko Prica von Prica Dachtechnik GmbH und rechts Ute Nordmann

 

 

Philippinenaktion Kreiszeitung 23.12.2015

 

Zugewiesen zu: Allgemein

Kommentare

Sei der Erste und kommentiere den Beitrag.

Hinterlasse eine Antwort


You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*


*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.